Bei prächtigem Wetter fand in Schöningen bei Helmstedt am 6.Juni eine hervorragend organisierte Veranstaltung statt. Unter dem Motto „Vom Steinzeitjäger zum Leistungssportler“ fanden sich dort Speerwerfer, Speerschleuderer, Bogenschützen und eben Kyliewerfer ein. Der „Förderverein Schöninger Speere“ hatte eingeladen. Angereist waren Heinz-Willi Dammers, Frido Frost, Michael Siems vom DBC und Thomas Stehrenberger aus der Schweiz.
Am Vorabend nach Schlossführung und edlem Büffet alldort zwei aufschlussreiche Vorträge zum Thema Speerschleuder. Leider hatte der angekündigte Prof. Valde-Nowak aus Krakau kurzfristig abgesagt. Er hätte zu dem berühmten Mammutzahn – Fund sprechen sollen. Große Enttäuschung bei Thomas und mir.
Nach angemessenem Hotelfrühstück ging es für alle zum Elmstadion, das aufs Feinste für den Zweck der Veranstaltung ausgestattet und vorbereitet war. Der Sportreporter Dieter Adler moderierte ausgesprochen souverän, humorvoll und anschaulich das Geschehen auf dem Platz.
Was geschah? Dem Publikum sollte vermittelt werden, welch hohen Wirkungsgrad die prähistorischen Jagdwaffen bereits für ihre damaligen Anwender boten. Anhand von liebevollen Nachbauten solcher Jagdgerätschaften wurden Durchschlagskraft und Zielgenauigkeit demonstriert. Interessant zeigte sich der Vergleich der 400000 Jahre alten, also altpaläolithischen Wurfspeere aus dem Raum Schöningen mit den modernen 800-g-Speeren der Leichtathleten. Hier trat u.a. der deutsche Top-Werfer Raymond Hecht auf und beeindruckte – trotz leichter Verletzungseinschränkung – mit kraftvollen Würfen. Die modernen Geräte flogen mal gerade zehn Prozent weiter als ihre Urururahnen.
Die Bumerang/Wurfholz-Demo begann mit Trickfängen und dem üblichen Programm, das dem interessierten Publikum die eigentliche Stärke unseres Sportes vorführte.
Beim Kyliewerfen auf ein frisch gefertigtes Schaumstoff-Känguru zeigte sich allerdings, dass wir noch längst nicht über wirklich gute Hardware und wohl auch Übung in diesem Bereich verfügen. So hätten unsere Familien zu Steinzeiten wohl wenig Fleisch über der Glut vorgefunden...
Die Zuschauer hatten nach den Vorführungen auch allemal mehr Interesse am Ausprobieren von Rückkehrern. Hier tat sich Heinz-Willi mit großer Ausdauer hervor.
Wenn der Publikumsandrang auch (noch) nicht gewaltig war, so hat dieses Event doch allen Anwesenden und der Presse verdeutlicht, was unsere Vorfahren mit diesen Jagdwaffen so alles anstellen konnte. Einem solchen Gegenstand, in der Museumsvitrine betrachtet, würde man das überhaupt nicht zutrauen. Der Tag war also gelebte Museumspädagogik.
Eckard Marwick |