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Vereinsführung >> Präsi-Text aus INFO #70


Hallo liebe Leser des DBC-INFO!

Vorsicht! Japanisch!

Vielen lieben Dank für all die Glückwünsche, Arbeitsanfeuerungen und "Weiter so!"-Wünsche, die uns seit dem letzten INFO erreicht haben. Viele DBCler äußerten sich mir gegenüber sehr, sehr positiv über die wieder"belebte" Vereinszeitschrift. Ich bin mir nicht sicher, ob die Redaktion selbst auch so viel Feedback erhalten hat, daher seien die Glückwünsche etc. an dieser Stelle wiederholt! Ich bin mir absolut sicher, dass viele der Gratulanten, sowie auch der stillen INFO-Bewunderer ihren Teil zum aktiven Vereinsleben beisteuern könnten. Was der DBC braucht und was das INFO braucht, ist, dass man wieder merkt, wer wir sind. Wir sind nicht nur Turnierwerfer, die ihre "Teile" nur aus Tri-Flys herausschneiden, biegen und fertig. Der DBC besteht aus Werfern, Sammlern, Freunden und v.a. aus Handwerkern und Tüftlern!

Neulich, während der Oster-Ferien, konnte ich mit meiner Freundin Annabella die Einladung von SAKIMITSU Yoshinobu (Familiennamen werden in Japan - ganz traditionell - zuerst genannt) wahrnehmen. Nach Monaten der Vorfreude war es endlich soweit: Wir wollten Ni-Hon (Japanisch für Nippon/Japan), seine Kultur und v.a. die (bumerangwerfenden) Menschen dort kennen lernen. Schließlich wollte ich nicht zuletzt wissen, wie die Japan Boomerang Association (JBA) es schaffte, innerhalb von wenigen Jahren der weltweit mitgliederstärkste Bumerangverein zu werden. Kann der DBC davon lernen? Bei den aktuellen Mitgliederzahlen und dem derzeitigen Kassenstand kann die JBA vielleicht ein gutes Vorbild sein?

Für einen kompletten Reisebericht fehlt hier im INFO zwar leider der Platz, doch will ich euch schon zumindest etwas erzählen. Den Rest sage ich euch gerne auf den vielen Turnieren, die uns 2003 wieder- bzw. erstmals auf dem Wurfplatz zusammenführen werden...

Nach 11 1/2 Stunden Flug von London aus und 2 Stunden Bahntransfer vom Flughafen Narita kamen wir in Tokio-Kudankita an, wo wir von Yoshi's "Anwesen" überwältigt waren. Ebenso von ganz Tokio, das uns von Anfang an in seinen unfassbar abwechslungsreichen Bann schlug. Das Leben der riesigen Metropole spiegelt Japan fast komplett wider: Tradition, Moderne, Kultur, Wirtschaft, Asien, Westen...ALLES! Nur keine Landwirtschaft... Wir waren in der Folge noch in den Städten Kamakura, Nikko, Kyoto, Osaka und Nara. Wer noch nicht in Japan war, der sollte es sich mal als Reiseziel vornehmen - bitte aber vorher etwas Japanisch lernen, da Englisch nicht wirklich weiterhilft! Die Person, dessen Englisch ich am Schlechtesten verstanden habe war, der Englischlehrer von Yoshi's mittlerem Sohn. Das lässt natürlich für die Schüler leider nicht viel hoffen... Naja...

Aber zurück zur JBA und dem Bumerangsport in Japan: Gegründet wurde die JBA 1982. Ihre Ursprünge liegen bei Yoshi, der nach seinem Studium (Maschinenbau) für einige Zeit Australien bereiste. In Sydney traf er Br. Brian Thomas, der ihm das Bumerangwerfen näher brachte. Wieder in Japan, entwickelte sich aus dieser Freundschaft die Keimzelle der JBA. Heute hat der Verein ca. 400 Mitglieder und belegte mit seiner Nationalmannschaft auf der WM 2002 in Kiel einen sagenhaften Platz 6 (nach "Dogs of Boom", "B-Motions", "Scandal", "Knochen 4 Kiel und "France 1"). Auf der Internet-Seite http://plaza23.mbn.or.jp/~jba/erfahrt ihr mehr, wenn ihr Hiragana, Katakana und Kanji lesen könnt... Besonders hervorzuheben ist der JBA-Schaum-Bumerang (Ähnlich dem "Air Dancer", jedoch nur für Rechtshänder) und die JBA-Informationsschriften, die schon kleine Bücher sind.

Soviel zu den Erfolgen, doch wie kam es dazu? Die Anwort kann ich euch leider in zwei Worten geben: SAKIMITSU Yoshinobu. Ich sage "leider", da die Fortentwicklung und sogar der Fortbestand anscheinend komplett an Yoshi hängen. Sobald er nicht mehr aktiv wäre, bräche die JBA zusammen. Wir lernen daraus: Viele Mitglieder sind leider nicht viele Mitarbeiter!

Auch von den 400 Mitgliedern sind nur 20 Personen überhaupt einmnal auf einem der nur drei Turniere im Jahr zu sehen gewesen. Ach ja: Turniere! Die sind so gut wie gar nicht durchzuführen, da die Werfer der JBA keinerlei Flächen als Wurfpläze benutzen dürfen. Japan kennt nur Baseball oder - nach der Fussball-WM in eigenen Land - gerade noch Fussball. "Bumerangwerfen ist hier verboten!" So waren wir auch nur einen Tag werfen und das mit fast allen japanischen Turnierwerfen. Wo? Auf einem Baseball-Übungsgelände in einer Flussaue zwischen ca. 500 Baseball-Spielern auf ungefähr 30 Baseballplätzen. Wir lernen daraus: In Japan ist kein Platz für Werfer!

Günter und die Japanische Werfergruppe

Und was wirft man in Japan so für Bumerangs? Sagen wir mal so: Keine Weitwurf-Bumerangs. Keine Australische Runde-Bumerangs. Keine Langzeitflug-Bumerangs. Es bleiben 20 Meter-Teile und evtl. noch Relay-Bumerangs. Wie sehr aber eben diese Arten von Bumerangs - auch bei uns - heutzutage "standardisiert" sind, das wisst ihr. Wir lernen daraus: In Japan gibt es kaum Tüftler!

Japanische Verkaufsbumerangs

Wie kommt dann aber der Erfolg der "Samurai" auf der WM in Kiel zu Stande? Was heisst das alles für den DBC? Ich habe für mich Folgende Lehre daraus gezogen:

  • Wir müssen lernen, den Erfolg eines Vereines nicht an der Anzahl der Vereinsmitglieder und seiner Vereinsarbeit zu messen.
  • Wir müssen immer wieder andere Mitglieder dazu ermuntern, ihren Teil für die Vereinsarbeit beizusteuern.
  • Wir müssen uns weiterhin um gute Kontakte zu Sportämtern, Sportvereinen etc. bemühen, damit wir unsere momentan hervorragende Wurfplatz-Versorgung auf dem jetzigen Stand aufrechterhalten und evtl. sogar erweiterten können.
  • Wir müssen uns - und das ist für mich der wichtgste Punkt - wieder auf eine unserer wichtigsten Eigenschaften besinnen: Wir müssen den Tüftler in uns wieder zur Arbeit ermuntern!

    In vielen Gesprächen und Treffen habe ich während der letzten vier, fünf Jahre gemerkt, dass das Ausprobieren neuer Formen und Materialien - besonders bei Anfängern - sehr deutlich nachgelassen hat. Ein Anfänger von heute - und damit wohl der Turnierwerfer von morgen - probiert nicht aus, was für ihn ein guter Bumerangs sein kann. Er kauft oder baut das nach, was neulich "den ersten Platz gemacht hat". Oder, noch einfacher, er baut nach, was Frido oder Oli werfen. Das ist zwar schön und gut, führt aber zur leidigen "Standardisierung". Besonders deutlich ist dies im Bereich MTA: Anfänger wollen direkt Pertinax-MTAs werfen und keiner weiß noch, wie man mit Holz umgeht, da man ja "Romblads" hat... Wo aber bleibt das "Erfahrung sammeln", das den "erfahrenen Werfer" erst möglich macht?

    Ich bedaure diesen Verlust der Vielfalt, der auch bei Spaßwerfern zu sehen ist. Lasst uns - auch wenn wir nur 200 DBCler sind - zusammen wieder den Spaß am Tüfteln und Ausprobieren neuer, alter vielleicht sogar schon veralteter Designs wecken. Wer außer Micha kennt denn noch die "10 cm-Regel"? Wir brauchen heute wieder Tüftler, damit wir morgen wieder wissen, warum bestimmte Designs veraltet sind...

    Eine Idee: Ich erinnere mich an Herausforderungen wie z.B. "Formel C6" (20 Meter-Bumerangs, die auf eine Postkarte passen) und die Turniere in Hailfingen, die immer wieder mit Überraschungen aufwarten konnten ("Gültige Bumerangs" mussten in eine Schablone passen, die eigentlich nur Zweiflügler erlaubte, jedoch auch Tüftler wie Adam Müller oder Axel Heckner zu neuen Designs veranlasste).

    Diese neuen Herausforderungen sollen nicht die Disziplinen wie "Fast Catch" etc. ersetzen, sondern könnten doch auf den Turnieren in den Pausen oder - ohne Turnier - auf der Übungswiese, beim Besuch von Bumerangsfreunden etc. ausgelebt werden. Die Ergebnisse per INFO oder Home Page zu veröffentlichen ist doch heute kein Problem mehr... - und das INFO-Team würde sich sicherich über zahlreiche "Gast-Autoren" freuen!

    Wer baut z.B. einen Bumerang für Blinde? Oder einen 20-Meter-Bumerang nur aus Altpapier? Ich bin gespannt!

    Günter Möller
    Präsident des Deutschen Bumerang Club e.V.



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